Editorial

Zehn Jahre ist es jetzt her, dass in Göttingen zuletzt eine Broschüre veröffentlicht worden ist, die sich kritisch mit Studentenverbindungen beschäftigt. Der Reader „Klüngel, Corps und Kapital”, damals vom AStA herausgegeben, schildert ausführlich die historische Rolle von Studentenverbindungen als Wegbereiter des Faschismus und enthält darüberhinaus reichlich Rechercheergebnisse zum verbindungsstudentischen Weltbild.

Der Reader ist leider seit mehreren Jahren vergriffen. Und auch sonst hat sich einiges verändert. Das Klima an der Uni ist rauher geworden. Der AStA ist nicht mehr verbindungskritisch eingestellt. Inzwischen sitzen dort sogar Verbindungsstudenten. Die Korporationen werben im ZHG für ihre Partys und treten auch sonst verstärkt öffentlich in Erscheinung. Als trauriger Höhepunkt ist hier ein Fackelmarsch durch die Göttinger Innenstadt zur Sommersonnwende 2003 zu nennen.

Es ist also höchste Zeit, wieder ein breiteres Bewusstsein dafür zu schaffen, welches Weltbild hinter den bunten Verbindungsmützen eigentlich herrscht, warum das Leben „auf” einem Verbindungshaus nicht mit einer Studi-WG vergleichbar ist und welche gesellschaftliche Rolle den Korporationen zukommt.

Darum haben sich im Sommer 2005 ein paar Menschen zusammengesetzt, miteinander diskutiert und Texte1 geschrieben. Beteiligt waren neben Einzelpersonen die Gruppen Antifa Aktion & Kritik, redical M, A.L.I. und Gruppe Gegenstrom. Dank finanzieller Unterstützung durch das Rosa Luxemburg Bildungswerk Niedersachsen e.V. und den Fachschaftsrat Biologie konnte daraus dieser Reader entstehen. Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen und freuen uns über Rückmeldungen.


Kontaktadresse:
Burschi-Reader-Redaktion
c/o Buchladen Rote Strasse
Nikolaikirchhof 7
37073 Göttingen.



Fußnoten

... Texte1
Nicht alle Texte spiegeln in allen Punkten die Meinung der gesamten Redaktion wider.